<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?>
<rss version="2.0">
<channel>
	<title><![CDATA[German]]></title>
	<link>https://www.lilymichaelides.com/el/publications/translations/german/</link>
	<language>el-gr</language>
	<description><![CDATA[German
Lily Michaelidou. Übersetzung: Michaela Prinzinger.
 AlteTagebücher
In einemBücherregal
    stehenmeinealtenTagebücher.
    Ab und zunehmichsiezur Hand – nichtals Souvenir,
    sondernzwecksStreichung, zwecksNicht-Wiederholung.
    Denn die WiederholungbirgteineTyrannei,
    die mit Finesse tötet.
    Unerwartetes 

    I
    Die KrisegreiftüberallRaum.
    IhrHaarfliegtunsinsGesicht.
    IhrParfümriechtdurchdringendnachBordell.
    Sieblicktsich um – erregt, selbstgefällig.
    NachuntenführendeKrisenstraßen.
    BalkonmitBlick auf die Krisenschlucht.
    Wappen am Krisentor.
    Die Kriseist, denkeich, docheinabstrakterBegriff.
    Wiekannsie die Luft, die Berge,
    das Meer, die Sonneerobern?
    Wiekann all das raumgreifende Licht ringsum
    der Krisegehören?
    Ichschlage die Warnungen in den Wind.
    Trage die Zeitverkehrtherum,
    reißeihr das ergrauteSchläfenhaaraus,
    färbemeineLippen rot
    und setzemichIhremKrisen-Urteilaus.

    II
    5.30 morgens.
    Die Klassifizierung des Körpers, wie in der Natur.
    Alles hat seinenPlatz: Augen, Licht,
    Geschmack, Tastsinn, Schmerz.
    Genau, wenn du denkst, allesfunktioniertganzzivilisiert,
    birstmiteinemKnacken die Schale, du fliegstimTraum
    und allesringsumbewegtsichsacht,
    stumm, gesichtslos.
    MiteinemweiterenKnackenzerberstenHaar, Blick,
    Lächeln und Gleichgewicht.
    Die Stimmungdraußenistdüster.
    WiejedenMärzregnetesafrikanischenWüstensand
    und Rachmaninov verführt dich mitrasenderGeschwindigkeit
    an Orte, die du dirnie
    erträumtest.
 In BarcelonasHänden

    Am Tag meinerAnkunft in Barcelona
    kündigte der HimmelSchönwetter an und der Wind
    trug den Glockenklangweit fort, zurStadthinaus.
    Alsichdann in die Kathedraletrat, merkteich,
    dasslangevormir die TechnikEinzuggehalten
    und die Kerzenersetzthatte.
    MiteinemKnopfdruckerstrahlt die elektrischeKerze –
    je nachdem, wieviel man zahlt und glaubt.
    Im Picasso-Museum
    folgten die SälehistorischenPerioden
    und Fotografieren war verboten.
    Nur der Maler fotografierteuns
    mitseinemmisstrauischen Bick.
    Der PinselstrichamEnde seines Lebens war extravagant
    und die Gesichter seiner Geliebten
    warenhin und her gerissen.
    Solltensielächelnoderweinen?
    MithochgestelltemKragenginger den Boulevard
    mit den hohenPlatanenentlang, Vögel.
    Sein Haarwehte, wie sein Schal, im Wind.
    Die Schatten der Blättertanzten auf seinemGesicht.
    EinerichtigeChoreografie.
    SchrittimSekundentakt, Gespensterschritt,
    einLächeln, Eroberung.
    Ichblickteihmnach.
    Erentferntesichwieeine Wolke,
    die am diffusenHorizontihre Gestalt ständigwechselt.
    In allenGebäudenstanden die Fensteroffen.
    In der Arena: Keine Bullen, Stierkämpfe und Olé-Rufe.
    Wutrausch der Epoche.
    Anstelle der Arena einriesigesEinkaufszentrum.
    VomUntergeschossbisobenhinalleEtagenvollmit
    Geschäften und Restaurants.
    DieArenaistwieder in Betrieb.
    Nurwurden die Bullen durch Menschen
    und die Matadoredurch Multi-Konzerneersetzt.
    Im Zug von Colonia Güell.
    Siesetzensichnebenuns, zumAusgehengeschmückt.
    Die Eine in Weiß, imSpitzenkleidwieeinSchmetterling,
    die Andere in Rot-Schwarz wieeineMohnblume.
    Ringe, Ohrringe, Halsketten,
    Augen, geschminkteLippen, Wangenrouge,
    einedeutlicheEinladungzumKuss.
    Die falschenZähneversuchen, den Kaugummi
    in den Mündernzur Raison zubringen.
    SiequatschenohneUnterlass, kichernwiekleineMädchen.
    Einsistsicher: Zusammengerechnet
    sindsiemehrals 150 Jahre alt.
    Im Zug nach Barcelona.
    SiesindoffiziellzumAusgehengerüstet
    mitFingerabdrücken, Ausweis, Altersangabe,
    Krampfadern, gefärbtenNägeln,
    das schüttereHaarmitKämmenhochgesteckt.
    Das Rütteln des ZugeslässtihreGestenzerbrechlicherscheinen,
    wie die Erinnerungen, die sie in ihrenHandtaschentragen.
    Der Zug hält an.
    Siestehen auf, ordnenihreFlügel,
    bereitzumAusstieg und Abflug.]]></description>
	<copyright><![CDATA[Copyright 2026, Lily Michaelides]]></copyright>
	<pubDate>Fri, 24 Apr 2026 14:04:54 +0000</pubDate>
	<lastBuildDate>Fri, 24 Apr 2026 14:04:54 +0000</lastBuildDate>
	<generator>Elxis 5.4</generator>
	<ttl>360</ttl>
	<image>
		<url>https://www.lilymichaelides.com/media/images/logo_rss.png</url>
		<title><![CDATA[German]]></title>
		<link>https://www.lilymichaelides.com/el/publications/translations/german/</link>
	</image>
</channel>
</rss>